Hypnose-FAQ

Wissen für Ausgeschlafene

In Deutschland ist es Aufgabe des „Wissenschaftlichen Beirates Psychologie“, Behandlungsverfahren anzuerkennen. Im Fall der Hypnotherapie ist das im Jahr 2006 erfolgt. Seitdem wird sie als wirksames Verfahren zur Behandlung verschiedener Störungsbilder empfohlen, z.B. bei Schlafstörungen, Ängsten und Phobien, psychosomatischen Störungen, Schmerzen, zur Rauchentwöhnung und Gewichtsreduktion, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Wer selbst noch keine Erfahrungen mit Hypnose hat, stellt sich häufig einige der folgenden Fragen, die hier beantwortet werden:

 

1. Kann mich der Hypnotiseur zwingen, etwas zu tun, was ich nicht tun möchte?

Dass sich dieses Vorurteil bis heute hält, ist auf das zum Teil wirklich bizarre Verhalten der Hypnotisanden bei Show-Hypnosen zurückzuführen. Studien legen nahe, dass dieses abnorme Verhalten ein sozialpsychologisches Phänomen ist, das situativ auch ohne Tranceinduktion, also ohne Hypnose hervorgerufen wird.

Milton Erickson, der die Hypnosetherapie im letzten Jahrhundert maßgeblich geprägt hat, war der Auffassung, dass Hypnose antisoziales Verhalten eher verhindert. Zahlreiche Experten vertreten die Meinung, dass man auch in hypnotisiertem Zustand zu kritischem Denken fähig ist.

Als Therapeutin weise ich an dieser Stelle gern auf die Motivation hin, mit der eine Hypnose durchgeführt wird. Die Frage ist: Wird hier ein Heilungsprozess angestrebt oder geht es um eine möglichst spektakuläre Performance auf der Bühne? Sie selbst entscheiden, wie sich Ihre Hypnose gestalten soll.

 

2. Kann es sein, dass ich in einer Hypnose steckenbleibe?

Es ist nicht möglich, sich in einer Trance „zu verlieren“ oder darin „steckenzubleiben“. Häufig wird die Trance als so angenehm empfunden, dass der Hypnotisand sie deshalb nicht beenden möchte. Dann ist Fingerspitzengefühl beim Therapeuten gefragt. Es ist immer der Klient, der die Hypnose beendet.

 

3. Schlafe ich während der Hypnose?

Nein. Der entspannte Zustand des Körpers und die geschlossenen Augen des Hypnotisanden führten in der Vergangenheit zu der Annahme, während einer hypnotischen Trance würde man schlafen. Deshalb wurde die Methode nach dem griechischen Gott des Schlafes, Hypnos, benannt.

Bildgebende Verfahren haben diese Annahme in den letzten 20 Jahren widerlegt. So zeigt das Elektroenzephalogramm (EEG) die für Hypnose typischen Alphawellen. Für den Schlaf sind dagegen Theta- und Delta-Wellen charakteristisch, infolge des REM-Schlafes treten Beta-Wellen auf.
Richtig ist, das Hypnose und Schlaf uns bekante Bewusstseinszustände sind. In hypnotischer Trance ist allerdings im Gegensatz zum Schlaf der Geist aktiviert. Der Hypnotisand ist sich seiner selbst bewusst und tritt mit dem Therapeuten in Interaktion.

 

4. Muss ich unter Hypnose immer die Wahrheit sagen?

Hypnose ist eine intensive Erfahrung, bei der Ihnen Gedanken kommen, die Ihnen im Alltagsbewusstsein so nicht zugänglich sind. Ein wunderbarer Erkenntnisprozess, den Sie für sich nutzen können und dessen Basis eine vertrauensvolle Klienten-Therapeuten-Beziehung ist.
Einige Klienten haben Angst, sie könnten zu viel von sich preisgeben und müssen auf alle Fragen des Therapeuten wahrheitsgemäß antworten. Das Gegenteil ist der Fall. Der Klient trifft die Entscheidung, was er erzählt. Sie haben jederzeit die Möglichkeit, die Antwort auf eine Frage auch zu verweigern.
Um jemanden der Lüge zu überführen, werden häufig auch Gestik und Mimik als Deutungsmittel herangezogen. In Trance sind die Augen geschlossen und die Muskulatur entspannt. Ein Zucken hier und ein ausweichender Blick dort, die Indiz für eine Lüge sein könnten, entfallen hier, was das Lügen in Trance eher leichter macht.

 

5. Sind intelligente Menschen mit einem starken Willen überhaupt hypnotisierbar?

Hypnose ist eine Methode, die Menschen in eine entspannte Trance führt. Dazu gibt es verschiedenen Techniken und es liegt im Können des Therapeuten, die zu finden, die sich für Sie am besten eignet. Das hat jedoch weder etwas mit Willensstärke noch etwas mit dem Intelligenzquotienten zu tun. Studien zeigen, dass intelligente Menschen sogar leichter hypnotisierbar sind.

 

6. Was ist der Unterschied zwischen einem Hypnotiseur, einem Hypnosecoach und einem Hypnosetherapeuten?

Die Bezeichnungen „Hypnotiseur“ und „Hypnosecoach“ sind vom Gesetzgeber nicht geschützt. Das heißt theoretisch, dass jeder, der mal ein Buch über Hypnose gelesen hat, seine Dienste als Hypnotiseur anbieten darf.
Das Heilpraktikergesetz verbietet allerdings die heilende Tätigkeit, ohne Heilerlaubnis. Das heißt: Sobald mit Hypnose ein Störungsbild laut ICD 10 (International Classification of Diseases) behandelt, also der Bereich des Coachings überschritten wird, muss eine Heilerlaubnis vorliegen. Darüber verfügen Heilpraktiker, Ärzte und Psychotherapeuten. Der Laie kann sich an der Bezeichnung orientieren: Wer eine Heilerlaubnis hat, darf sich (Hypnose-)Therapeut nennen. Ein Hypnotiseur oder Hypnosecoach hat diese Heilerlaubnis in der Regel nicht.